Éther Festival 2026: «aẓǝl» Anouck Genthon
Do., 04. Juni
|Ronco s/A, Cappella Gruppaldo
Anouck Genthon ist Geigerin. Ihre musikalische Arbeit richtet den Fokus in besonderer Weise auf Klang und Hören. Sie erforscht die Möglichkeiten ihres Instruments und entwickelt dabei eine persönliche Sprache, die aus Improvisation und kompositorischer Arbeit entsteht.


Time & Location
04. Juni 2026, 18:20 – 19:10
Ronco s/A, Cappella Gruppaldo, Via Gruppaldo, 6622 Ronco sopra Ascona, Svizzera
Description
Carovana091 arbeitet mit dem Éther Festival zusammen, das vom 3. bis 6. Juni 2026 stattfindet. Weitere Informationen hier: https://www.carovana091.ch/post/save-the-date-carovana091-ether-festival-2026
Anouck Genthon ist Geigerin. Ihre musikalische Arbeit richtet den Fokus in besonderer Weise auf Klang und Hören. Sie erforscht die Möglichkeiten ihres Instruments und entwickelt dabei eine persönliche Sprache, die aus Improvisation und kompositorischer Arbeit entsteht. Sie bewegt sich gerne in transversalen Forschungsformen und spielt in unterschiedlichen Kontexten an der Schnittstelle von improvisierter, experimenteller, zeitgenössischer, elektroakustischer und traditioneller Musik, in Projekten vom Solo bis zum großen Ensemble. Sie arbeitet im Duo mit Lionel Marchetti, David Meier, Antoine Läng, Ed Williams, im Trio tangent+mek, im Quartett LGBS, in Le Un, Insub . sowie im Grand Chahut Collectif. Sie ist Autorin der Bücher „Fictation“ (Gamut, 2020) und „Musique touarègue. Du symbolisme politique à une singularisation esthétique“ (L’Harmattan, 2012).
aẓǝl („Geigenklang“) geht aus einer ethnomusikologischen Forschung hervor, die Anouck zwischen 2008 und 2012 in Niger zur tuaregischen Musik durchgeführt hat. Diese langjährige Auseinandersetzung ermöglichte ihr insbesondere die Entdeckung des Klangs und der bedeutungsvollen Praxis der anzad, einer einsaitigen Streichlaute, die traditionell von Frauen gespielt wird. Die spezifische Klangfarbe und Spielweise dieses Instruments haben sich ihr eingeprägt und wirken viele Jahre später in ihrer eigenen Klangsprache auf der Geige nach. Aus dieser Prägung heraus entstand diese Solokomposition, die eine Linie von ihrer Position als Ethnomusikologin zu jener als Musikerin nachzeichnet und fortführt – vom Klang der anzad zum Klang der Geige.
„aẓǝl“ ist ein Werk, das sich in langsamen Metamorphosen entfaltet: eine Akkumulation von Schichten, vergleichbar mit Sedimenten, die sich im Laufe der Zeit ablagern und eine musikalische Form schaffen, die nicht beschreibt, sondern andeutet, nicht erklärt, sondern etwas aufscheinen lässt. Es ist ein Album, das Aufmerksamkeit und Geduld verlangt, diese aber mit einer seltenen Tiefe belohnt und ein Hörerlebnis bietet, das zugleich Meditation, Spur einer kulturellen Begegnung und ein Akt transformierter Erinnerung ist. Letztlich ist „aẓǝl“ ein leuchtendes Beispiel dafür, wie ein künstlerischer Weg aus dem Dialog verschiedener Welten entstehen kann – der tuaregischen Tradition, der Ethnomusikologie und der zeitgenössischen Improvisation – und sich in ein persönliches, identitäres Klanggestus von wesentlicher poetischer Kraft verwandelt. (Andrea Rossi)
https://anouckgenthon.com/solo-a%e1%ba%93%c7%9dl/
