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September 2026

By

Dromedar

56

Listening Tip Septembrer 2026: Save Me Last




Dieser Listening Tip liegt uns besonders am Herzen.


Sound the Alarm ist ein Projekt des australischen Kontrabassisten Clayton Thomas und hat letztes Jahr unsere We See You-Reihe inspiriert. Die Komposition wurde dabei zum Teil auch bearbeitet und hier gespielt.


Nun hat das 22-köpfige Ensemble eine neue Aufnahme veröffentlicht: Save Me Last.


Die Aufnahme ist erneut den Kindern in Gaza gewidmet. Eine Geste, die Aufmerksamkeit und Mittel schafft. Ein Fundraising-Projekt, das aber klar und deutlich noch ein paar Fragen mehr stellt.


Denn wenn die erste Aufnahme, Sound the Alarm, in intensiven Bildern die Szenerien von zerstörter Landschaft, Angst und Verwüstung eingefangen hat, passiert nun etwas ganz anderes.


Die unerträgliche Realität ist in uns eingedrungen. In unserem Bewusstsein und Unbewussten ist sie präsent. Und dieses Ensemble spielt unser Innerstes an.


Einsamkeit im Angesicht des Leides.


Trauer.


Und dann, langsam aber eindeutig: Unterstützung.

Menschliche Unterstützung, sensible, gefühlte Unterstützung. Und sie kommt in Wellen. Sie erreicht die Einsamkeit und verebbt wieder.


Waves.Das erste Stück.


Die Einsamkeit und das Verlassensein des Einzelnen können nicht gelöst werden. Aber sie können begegnet, berührt, gesehen werden.


Und aus diesem Berühren entsteht etwas, das sich durch das ganze Album zieht: die Möglichkeit, präsent zu bleiben.

In Alma, from under the Rubble, einem 42-minütigen Stück, schafft das Ensemble eine gewaltige Präsenz gegenüber dem Thema.


Es ist berührend, weil man spürt, dass die Musiker sich berühren lassen.


Es ist stark, weil die Musik es auch vor diesem Thema schafft, ganz da zu sein.


Diese Musik spielt sich frei, ohne ihren Fokus zu verlieren. Das ist sehr Kraftvoll.


Sie gibt Stimme, löst etwas aus und schafft einen Raum, in dem wir mit dem Thema atmen und auf es antworten können.

Vielleicht ist gerade dieses Aushalten die eigentliche Stärke dieser Musik. Sie versucht nicht, das Leid aufzulösen. Sie macht es auch nicht kleiner. Aber sie lässt sich von ihm nicht zum Schweigen bringen.


Und es ist etwas Besonderes, wenn das eine so grosse Gruppe schafft.Stellenweise hat man sogar den Eindruck, dass jede einzelne Stimme ganz genau ihre Position artikuliert, immer ausgerichtet auf das Thema, immer freier und kraftvoller in den Gesten.


Die grosse Anzahl der Musiker kreiert dabei einen sehr klaren, vielstimmigen Klangkörper. Die einzelnen Stimmen äussern sich eindeutig, und gerade dadurch wird das gemeinsame Hören spürbar.


Zuhören und Klang geben, um zu erinnern, zu trauern und wach zu werden. Und dann kommt am Ende Names (an incomplete List).


Wir hören eine endlose Reihe von Namen, von Kindern, die ihr erstes Lebensjahr nicht erreichten. Lange hören wir Maissa Alameddine zu, wie sie Namen an Namen reiht. Und irgendwann kommt dann die Musik dazu.


Sie löst die Namen von ihren Buchstaben, macht sie zu Seelen, entreisst sie wenigstens für einen Augenblick dem Vergessen und dem Schweigen, das die westliche Politik ihnen gegenüber unerbittlich walten lässt.


Alles, was unser Zusammenleben retten kann, was Verständigung und Hoffnung nährt, beginnt mit Zuhören.

Resilienz entsteht, wenn wir das, was wir vernehmen, aushalten und nicht wegschieben. Diese Musik antwortet nicht mit einer Lösung.


Sie stellt die nächste Frage.


Und schaut uns an.


Bitte Hinhören.


https://claytonthomas.bandcamp.com/album/save-me-last

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