top of page
Logo Carovana091

Listening tip August 2026: “Erosão Percussion Trio”

  • Autorenbild: Natalie Peters
    Natalie Peters
  • vor 11 Stunden
  • 3 Min. Lesezeit

By Maria Portugal 

Mit Burkhard Beins und Emilio Gordoa


Diese CD ist dazu da, euren Sommer zu verschönern. Sie kommt daher als Aufnahme von drei großartigen Perkussionist:innen. Ihr Klang ist warm, weich und trotzdem frisch. Es pumpt und pulsiert wie in einer Herzkammer des Erdinneren, und dann kommt sie auch schon, die langersehnte: Hallo, gute Laune!


Ich klicke auf Bandcamp nach zwei Minuten auf „Purchase“. Das ist mein Rekord.


Ich seufze ein bisschen, und während mir die Percussion auf dem Trommelfell prickelt und tiefere Beats die Körpermitte beleben, höre ich mit wachsender Sehnsucht Mariá Portugals wunderschöner Stimme zu. Dabei zieht es mein Herz in die Ferne, nach Brasilien. Denn sie versteht es fantastisch, die Liedkultur ihrer Heimat mit dem Vibe der Berliner zu verbinden, den Beins und Gordoa mit schwindelerregender Leichtigkeit auf ihren Tellern kreisen lassen.

Fast ziehe ich mir nur zum Zuhören ein rotes Kleid an.


Und mir kommt ein Wort in den Sinn, das ich für improvisierte Musik eigentlich noch nie benutzt habe. Glaube ich. Ich tippe es mal ein:


SEXY.


Ich finde, das steht da gut. Wollte ich schon immer mal für improvisierte Musik benutzen.

Gut, jetzt muss ich ehrlich sein. Ich habe die Gewohnheit, erst zu hören und dann den Begleittext zu lesen. Als ich ihn mir anschaue, steht da etwas von komponierten Strukturen und Improvisation, von Schlagzeug, Metallobjekten, Feldaufnahmen, Live-Elektronik und allerlei ungewöhnlichen Klangquellen.


Okay, so ist das also.


Aber da steht auch:


„Die Auftritte des Trios sind stark in der Improvisation verwurzelt und schöpfen aus einer großen Vielfalt an Perkussionsinstrumenten – vom traditionellen Schlagzeug bis zu unkonventionellen Klangquellen. Bereichert wird der Sound durch den perkussiven Einsatz des E-Basses und Live-Elektronik. So entsteht eine eigenständige musikalische Persönlichkeit, in der brasilianische Populärmusik auf die Berliner Echtzeitmusik trifft.“


Wie dem auch sei: Das Ganze funktioniert meiner Meinung nach ausgezeichnet.

Die drei bringen Leben in meine Bude, und zwar auf hohem Niveau. Ich mag es, zwischen den schlichten, aber tief empfundenen Liederwelten Brasiliens und dem freigeistigen, experimentierfreudigen Berlin hin und her zu schwelgen.


Und dabei kommt es mir so, dass die Lebendigkeit folkloristischen Liedguts vielleicht nicht in seiner Struktur liegt, sondern in seinem inneren Puls. In dem, was Menschen überhaupt erst dazu bewegt hat, singend und tanzend Ausdruck zu finden.


Etwas später bleibt mein Ohr an einem ganz anderen Stück hängen. An einem etwas knarzenden, verschleppten Rhythmus. Diesmal ohne Stimme. Das Stück heißt „Rolltreppe“.


Also, in Berlin hören sich die Rolltreppen nicht so an. Nicht, dass ich wüsste. Vielleicht früher mal. Heutzutage ist Berlin ja so schick und gentrifiziert. Das muss eine Rolltreppe in Bahia sein.


Oder eben genau nicht.


Denn in Berlin gibt es diese seltenen Ohren, die sich wie im Vorbeigehen mit dem subtilen Innenleben von Rolltreppen beschäftigen. Die treuen Treppen gehören ja auch dazu und helfen mit, auch wenn ihr Rhythmus irgendwie etwas mit dem Hamsterrad unserer Mühen zu tun hat. Aber so ein bisschen auf eine höhere Ebene getrommelt, ist es witzig und verschafft Luft.


Ach ja, gerne möchte man doch über genau diesen Dingen stehen. Ach wie gut, gibt es die Kunst. Ich versöhne mich etwas mit der Mechanik des Alltäglichen.


Schade, dass ich nicht verstehe, was Mariá da singt und erzählt. Sie sollte nie damit aufhören. Und ich? Ach ... Liebesbriefe will ich auf einmal schreiben. Dichten und Muße pflegen.


Aber vor mir steht die Pflicht … ich schreibe jetzt das hier fertig und korrigiere. Und dann müsste ich zum nächsten Punkt der To-do-Liste.


Trotzdem: Wo ist dieses rote Kleid? Oder zumindest der Lippenstift. Und ein Stück Limette ins Wasserglas will ich auch.


Und dann höre ich mir das Ganze noch einmal an.


 
 
 

Kommentare


Für Updates abonnieren

Danke fürs Einreichen!

Kulturverein Carovana091

CH34 8080 8006 2033 4863 3

via Centrale 27 – 6605 Monte Brè

SCHWEIZ

Unterstützt uns mit einer Spende oder eurer Mitgliedschaft!

Membership

  • Instagram
  • Facebook
  • Bandcamp

© 2025 Carovana091

bottom of page